Wenn Mann nicht will – Sexuelle Unlust bei Männern

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Vorspiel und Verführung ist was für Frauen. In unserer Gesellschaft herrscht das Bild der „Sexmaschine Mann“, dem selbst ein kleiner Reiz genügt um auf Hochtouren zu laufen. In vielen Schlafzimmern ist allerdings der Vibrator das Einzige was heiß läuft.

Sexmaschine Mann

Die Sicht auf männliche Sexualität ist oft sehr funktional. Der Mann als solches ist ein sehr wartungsfreundliches Wesen. Solange alles läuft, braucht man sich um ihn quasi nicht groß kümmern. Er ist dann bemüht, seine Aufgaben abzuarbeiten. Funktioniert Mann nicht mehr, bringt man ihn in eine Werkstatt, oder doch besser zu einem Urologen. Dieser diagnostiziert dann unter Umständen eine Funktionsstörung und man bekommt kleine blaue Pillen, ein Gel um seine Eichel zu betäuben oder eine Anleitung zur Start-Stopp-Technik. So wird im Idealfall die Funktion wieder gewährleistet. Ich will mich auf keinen Fall gegen einen Besuch beim Urologen aussprechen, ganz im Gegenteil. Es ist sehr wichtig zu prüfen, ob mit uns körperlich alles in Ordnung ist.

Wo bleibt die Lust?

Leistung und Funktion ist oft das, was wir in den Vordergrund stellen. Wir sind es nicht gewöhnt uns über das zu definieren was wir sind, was wir empfinden. Wir definieren ein gutes Sexleben anhand seiner Häufigkeit und der darin erbrachten Leistung. Zusätzlich befeuern uns die Medien in unserem Trugschluss. Wer kennt nicht das Bild der vor Lust stöhnenden Frau und dem hart an ihr arbeitenden Mann, verschwitzt, alles gebend, um ihr möglichst viel Lust zu verschaffen und das angepeilte Ziel, ihren Orgasmus von seiner heutigen To-Do-Liste streichen zu können. Nebenbei versucht der arme Kerl sich bestmöglich selbst zu kontrollieren, um nicht vor der Ziellinie die Flinte ins Korn werfen zu müssen. Selbst Masturbation wird zweckgebunden benutzt, damit wird diese oftmals doch so lästige Erregung abgebaut. Genuss ist Fehlanzeige.

Urlaub auf unbestimmte Zeit

Von diesem Blickwinkel aus scheint es wenig verwunderlich, dass Männer ihre Sexualität in einen Dornröschenschlaf versetzen. Wer setzt sich freiwillig diesem Stress aus? Sich schnell, vor dem Schlafen, unter der Decke einen runterzuholen verstehe ich übrigens nicht als gelebte Sexualität. Wir träumen von heißen, lustvollen Begegnungen, anstatt unsere Träume zu leben. Wir vermuten den Schlüssel zu erfüllendem Sex im außen, in anderen Partnern, in anderen Situationen, in anderen Praktiken und realisieren nicht, dass dieser Schlüssel wir selbst sind.

3 Schritten aus der verkehrsberuhigten Zone

Seine eigene Sexualität erfüllt zu leben ist ein großes Thema, über das man viel schreiben kann. An dieser Stelle möchte ich allerdings als Einstieg nur relativ kurz auf drei Dinge eingehen. Mehr dazu, folgt dann in zukünftigen Blogartikeln. Deshalb bleib dran!

Mittendrin statt nur dabei

Masturbation ist das Fitnessstudio für unseren Sex. Hier können wir, hoffentlich ungestört, Dinge ausprobieren, um sie dann in unseren Paarsex zu integrieren. Masturbation hat oft das Ziel Druck abzubauen und das in möglichst kurzer Zeit. Jetzt wollen wir sie nützen um zu lernen unsere Lust zu maximieren. Stell dir einen Wecker auf ca. 20 Minuten. Nütze diese Zeit um deinen Körper zu erforschen, deine Erregung immer weiter zu steigern. Wenn du dem Orgasmus sehr nahe kommst, mach eine kleine Pause, entspanne dich und atme ruhig. Nutz die Möglichkeit und beziehe so viel von deinem Körper ein, wie du nur kannst. Ziel ist es, die komplette Zeit zu nutzen und den Fokus auf die Empfindungen im Körper zu richten. Genieße was du tust.

Sag ja, zum klaren nein

Oft wissen wir gar nicht, warum wir uns gegen etwas entscheiden. Wir entscheiden reflexartig und ohne zu wissen, warum wir diese Entscheidung fällen. Erforsche warum du Sex mit deinem Partner in dieser Situation ablehnst. Zu was sagst du genau nein? Zu der Situation? Zu dem wie es vermutlich laufen wird? Die Gründe können vielseitig sein, wichtig ist allerdings genau zu wissen, was du ablehnst. Wenn dir klar ist was du nicht möchtest, kannst du umso einfacher sehen, was du möchtest. Wenn dir beispielsweise, nach einem anstrengenden Arbeitstag, Sex am Abend zu anstrengend ist, warum nicht Sex am Morgen, oder am Wochenende?

Als Team intim

Wir alle wollen befriedigenden Sex. Deine Partnerin genauso wie du. Nun hast du zwei Möglichkeiten. Entweder du hoffst, dass es schon irgendwie wird, oder du verlässt dich nicht auf das Glück und nimmst die Sache in die Hand. Sprich mit deiner Partnerin über das, was du dir wünscht, welche Berührungen du besonders genießt. Sag ihr, nach was dir gerade ist. Ich weiß, es ist nicht so einfach sich so zu öffnen. Nimm erstmal einen Punkt, am besten etwas gegen dessen Offenbarung du am wenigsten Widerstand hast und erzähl es ihr. In den wenigsten Fällen wirst du auf taube Ohren stoßen. Generiere eine Vertrauensbasis und du kannst deinen Sex immer weiter in die Richtung entwickeln, in der du ihn gerne haben möchtest. Schritt für Schritt.

Es erfordert Handlung

Ich weiß, es hört sich etwas seltsam an, dass ich erst darüber herziehe, dass Sex für uns so handlungsfokussiert ist, um dann 3 Handlungen vorzuschlagen, um das zu verändern. Aber stell dir folgendes vor: Deine Gespielin fesselt dich mit Handschellen ans Bettgestell, nur um dann spurlos zu verschwinden. In dieser Situation fühlst dich vermutlich etwas deiner Freiheit beraubt. Was dir übrig bleibt, ist entweder zu warten und zu hoffen, oder zu versuchen diese blöden Handschellen aufzubrechen. Ich wünsche dir gutes Gelingen!

Heinrich Hess – der Sexcoach für Männer

Wenn Sex in deinem Leben zu viel, zu wenig, zu schnell oder zu langsam ist.