Von harten Kerlen und zarten Gemütern – wissen Männer was sie im Bett wirklich wollen?

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„So bringst du deine Frau zum Orgasmus“ oder „Der Weg zum Perfekten Liebhaber“, Titel wie diese drängen sich fast allgegenwärtig, von Buchrücken und Blog-Titel, in unser Auge. Allerdings scheinen Männer den wichtigsten Fokus aus den Augen verloren zu haben – Wie sollte der Sex sein, der es für mich Wert ist gelebt zu werden?

Was ist dran am Mythos Mann?

Die Sexualität des Mannes ist quasi ein Selbstläufer. Seine erogenen Zone(n) muss man nicht lange suchen, sie befinden sich geballt an einem Ort direkt unter seiner Gürtellinie. Sein Penis ist eine Art Joystick mit dem sich durch seine Lust navigieren lässt und Lust hat er schließlich immer. Bekommt er keinen hoch wirft er sich eine Tablette ein. Kann er nicht lange genug, dann heißt es halt zusammenreißen. Seine Lust verhält sich wie eine Art Druckkessel. Sie steigt so lange an, bis das Manometer im roten Bereich ist. In so einem Fall, betätigt er einfach das Überdruckventil, er masturbiert. Im Bett zeigt er seiner Frau wo der Hammer hängt, allerdings ohne übergriffig und unsensibel zu sein. Und wenn es nach einem Kinobesuch doch mal etwas mehr sein soll, holt er halt die Handschellen aus der Schublade. Alles in allen eine ziemlich einfache und robuste Konstruktion.

Der Unterschied zwischen Mann und Frau

Bei Frauen ist es dagegen ganz anders. Ihre Sexualität ist ein zartes Pflänzchen. Lange wusste man nicht einmal, dass sie überhaupt existiert. Die fast unendliche Zahl ihrer Lustpunkte gibt ihr scheinbar unendliche Möglichkeiten Erregung zu empfinden. Viel wird über sie geschrieben und gezeigt. Von G-Punkten über Perinealschwämme, vom vaginalen- zum klitoralen Orgasmus, von Slow Sex zu Shades of Grey. Versteht mich bitte nicht falsch, ich finde diese Entwicklung großartig. Und sie muss weitergehen! Frauen kamen bei diesem Thema viel zu lange sehr schlecht weg.
Als Mann kann hier schon fast etwas neidisch werden. Unsere Lustzentren heißen Penis – das war’s. Ja ok, und Prostata. Hier stellt man sich allerdings auch die berechtigte Frage, warum sie die Natur an einer so unzugänglichen Stelle versteckt hat. Wirft man einen Blick auf den Inhalt von Blogs und YouTube-Channels für Frauen, dreht sich viel um das Thema Sexualität. Egal ob mit sich selbst oder in der Partnerschaft. Bei Männern geht es eher um Autos und Titten, oder vielleicht wie man mit einem Schweizer Taschenmesser eine Hütte im Wald baut. Es weckt den Eindruck über männliche Sexualität sei schon alles gesagt, da es offensichtlich nicht nötig ist, darüber zu sprechen. Vielleicht haben wir nur nie damit angefangen.

Sexualität ist nicht nur seinen Trieb ausleben

Ein Mann, der heimlich zwei Stunden vor dem Laptop masturbiert, wird nicht von einem lustvollen, erfüllenden Erlebnis sprechen. Genauso wenig jemand, der willentlich über die Grenzen eines anderen Menschen geht, indem er diesen nötigt mit ihm Sex zu haben. Hier wurde lediglich der Versuch gestartet den Trieb einfach auszuagieren und ihn zu befriedigen. Nur werden sie den gesuchten Frieden auf diese Art nicht finden.
Wir glauben die Möglichkeit guten Sex zu haben ist angeboren, allerdings ist das Einzige was wir von Natur aus können, uns fortzupflanzen, der Rest ist gelernt. Jeder von uns bringt eine gewisse sexuelle Vorbildung mit, egal ob bewusst oder unbewusst. Gelernt haben wir aus den Medien oder aus Pornos. Wir haben uns in der Masturbation Verhaltensweisen und Fähigkeiten antrainiert, auf die wir zurückgreifen. Wir haben gelernt, ohne zu wissen, dass wir es tun und ohne zu wissen, was wir uns gerade beibringen. Und jetzt glauben wir zu wissen, wie Sex sein müsste und danach richten wir uns. Wir haben fixe Ideen und glauben, dass diese uns das ultimative sexuelle Erlebnis bringen. Bei manchen hatten wir vielleicht sogar schon die Möglichkeit sie auszuleben. Nur um dann ernüchternd festzustellen: „Nö, irgendwie fehlt doch etwas“. Doch eine befriedigende Sexualität benötigt Übung und Forschergeist.

Entdecker, Forscher, Abenteurer

Das Vorurteil, Männer seien schwanzfixiert, hält sich hartnäckig und ich fürchte es stimmt meistens. Niemand hat uns dazu aufgefordert, unsere Lust und unsere Körper zu erforschen. Männliche Sexualität ist nicht banal. Es mangelt nicht an Möglichkeiten – es mangelt an der Umsetzung. Auch Männer haben die Möglichkeit unterschiedliche und auch multiple Orgasmen zu erleben. Die Lust muss sich nicht nur um den Penis drehen. Es gibt so vieles zu entdecken, so vieles zu erforschen. Nur müssen wir die Initiative ergreifen und es tun. Und der Schlüssel zu einem erfüllenden Sexleben ist nicht, mit möglichst vielen Partnern Sex zu haben. Es ist den Sex zu leben, den man wirklich möchte und der einem guttut. Das ist in einer Beziehung genauso möglich, wie als Single. Eine monogame Beziehung kann der Schlüssel sein, um sich sexuell wirklich kennenzulernen und zu entwickeln. Hier fällt die Möglichkeit weg sich mit neuen Partner davon abzulenken um was es wirklich geht.

Ran ans Vergnügen!

Sei neugierig. Sei kreativ. Sprich mit Freunden. Rede offen mit deiner Partnerin. Verfolge diesen Blog weiter. Komm zu Hause. Lass dir deine Sexualität etwas Wert sein und befass’ dich damit. Es geht hier nicht um Bartpflege, es geht um deine sexuelle Revolution. Es gibt so viele Chancen und Möglichkeiten. Lass deinen Sex den Besten werden, den er sein kann.

Heinrich Hess – der Sexcoach für Männer

Wenn Sex in deinem Leben zu viel, zu wenig, zu schnell oder zu langsam ist.